Taubblindheit

Taubblindheit im Behindertenbericht

 

Taubblinde Menschen sind durch ihre doppelte Sinneseinschränkung in besonderer Weise betroffen und auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen, um ein Leben in Würde und mit möglichst guten Teilhabechancen führen zu können.

 

Bei taubblinden Menschen ist das Hör- und Sehvermögen jeweils so gering, dass ein Sinn den Mangel des anderen nicht mehr ausgleichen kann. Beim Überqueren einer Straße kann eine taube Person Autos sehen, eine blinde hören; taubblinde Menschen können die Straße ohne Assistenz nicht sicher überqueren. Im Laden können Blinde nach bestimmten Waren fragen, Gehörlose können die Beschriftungen auf Verpackungen lesen, Taubblinde sind auch hier auf Assistenz angewiesen.

 

Die Betroffenen benötigen in fast allen Lebensbereichen besondere Unterstützung, Hilfsmittel oder Vorkehrungen, vor allem bei

 

- Kommunikation im direkten Kontakt und aus der Ferne

- Information über ihre direkte Umgebung, über wichtige ihr Leben betreffende Umstände und über das Weltgeschehen

- Mobilität außerhalb ihres gewohnten Umfeldes, vor allem im Straßenverkehr

- alltägliche Lebensführung in der Bewältigung des Haushalts, der Ernährung, Körper- und Wäschepflege, sowie der Regelung von Rechtsgeschäften

 

Taubblinde Menschen sind solche,

 

deren Hörvermögen so gering ist, dass sie auch mit dem Einsatz von Hörhilfen an lautsprachlicher Kommunikation nicht oder nur äußerst eingeschränkt teilnehmen können, und

 

bei denen zugleich das Sehvermögen so gering ist, dass sie auch mit dem Einsatz von Sehhilfen an einer optisch unterstützten Kommunikation nicht oder nur äußerst eingeschränkt teilnehmen können, 

 

so dass sie zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auf die speziell für Taubblinde entwickelten Kommunikationshilfen (u.a. taktile Gebärdensprache, Lormen, Fingeralphabet) angewiesen sind

 

und so dass sie zugleich zur eigenständigen Orientierung außerhalb ihrer häuslichen Umgebung nicht ohne fremde Hilfe in der Lage sind.

 

Diese Voraussetzungen sind regelmäßig erfüllt, wenn wegen des Hörverlustes ein Grad der Behinderung von 70 ("an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit") und wegen des Sehverlustes ein Grad der Behinderung von 100 ("hochgradige Sehbehinderung") anerkannt ist.

 

Der Bedarf an taubblindenspezifischen Hilfen und Hilfsmitteln ist also auch dann schon gegeben, wenn die Betroffenen noch über geringe Hör- oder Sehreste verfügen.

 

Der Personenkreis der taubblinden Menschn kann nicht auf den der Behinderten mit den Merkzeichen Gl und Bl beschränkt werden, da für diese so enge Grenzen gelten, dass ein großer Teil der Betroffenen davon nicht erfasst wird.

 

Taubblindheit kommt im System der Nachteilsausgleiche und Sozialleistungen bisher kaum vor. Dadurch kommt es zu erheblichen Hürden Mängeln in deren Mgölichkeiten der teilhabe an der Gesellschaft bis hin zu unwürigen Lebensumständen. Viele Betroffene leben isliert von sozialen Kontakten und Informationen und nur auf die engsten Angehörigen verwiesen. Wenn beispielsweise die Eltern eines taubblinden Menschen sterben, kann es zu dramatischen Krisen führen, weil gar niemand mehr da ist, der sich mit dem Betreffenden auskennt.

 

Der zugang zu folgenden Hilfen und Maßnahmen ist für taubblinde Menschen erheblich erschwert,

 

- weil sie gar nicht angeboten werden

- weil die Finanzierung nicht geregelt ist

- weil die Betreffenden ihre Rechte in unserem Sozialsystem nicht durchsetzen können

- weil die betreffenden nicht ausreichend über ihre Möglichkeiten beraten sind

 

1. Angebote der Frühförderung und Schuildung für eine optimale Entwicklung von früh Betroffenen

2. Rehabilitationsangebote für später Betroffene

3. Berufsmöglichkeiten durch angemessene Berufsbildung und qualifizierte Arbeitsplatzassistenz

4. Teilhabe an allen bereiche des gesellschaftlichen Lebens und selbstbestimmte Lebensgestaltung durch qualifizierte Taubblindenassistenz bzw. ambulante oder stationäre Wohnangebote

5. Kommunikation durch die Bereitstellung von Taubblindendolmetschung

6. Flächendeckend angebotene mobile, aufsuchende Beratung

7. Feststellung und statistische Erfassung von Taubblindheit im sozialrechtlichen Sinn

 

Von Rainer Delgado, Mitarbeiter des DBSV




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